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leerIconJugendliche bei "Nachtwache" auf der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn

"Diese Kugel steckte in meiner Brust"


Mitternacht – und auf dem Friedhof brennt noch Licht. Deutlich hört man Stimmen, die über den vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegten deutschen Soldatenfriedhof Ysselsteyn hallen. Kleine Grablichter flackern in der nächtlichen Brise und ein Lagerfeuer schafft knisternd eine beinah gespenstische Atmosphäre. Was passiert dort unter dem sternenklaren Frühlingshimmel?


"Diese Nacht hat viele Jugendliche verändert", erklärt Kriegsveteran Franz Peine aus Bochum. Er ist einer der Zeitzeugen, die Jugendlichen in dieser Frühlingsnacht des Jahres 2004 vom Grauen des Zweiten Weltkrieges erzählen. Sein Bericht ist eine Mahnung wider das Vergessen. Denn hier im niederländischen Ysselsteyn ruhen 32 000 deutsche Soldaten, 32 000 Opfer des Krieges. Darüber wollen die vom katholischen Jugendamt Bochum eingeladenen 130 Mädchen und Jungen mehr wissen.


Die Stiftung Gedenken und Frieden des Volksbundes unterstützt die Aktion als überhaupt erstes Förderprojekt mit knapp 500 Euro. Auch 2004 stellt die Stiftung für zehn Jugend-Projekte in Zusammenarbeit mit dem Volksbund jeweils 500 Euro bereit. Weitere Informationen gibt Andree M. R. Schulz unter Telefon 0561-7009-115.



Die Idee, eine solche "Nachtwache" auf dem Soldatenfriedhof abzuhalten, stammt von Pfarrer Elmar Nass. Er stellt auch den Kontakt zu den Zeitzeugen her, die den Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfuhren. So wie Franz Peine. Der hält nun eine alte Kugel in die Luft. "Die steckte damals in meiner Brust", sagt er lapidar. Es herrscht ein Moment der Stille. "Man kann die sprichwörtliche Nadel fallen hören", meint Franz Peine, doch dann folgen Fragen, viele Fragen. Die insgesamt fünf Zeitzeugen werden gerahmt von Kreuzweg und Gottesdienst die ganze Nacht auf dem Friedhof verbringen, um sie zu beantworten.


Erst um fünf Uhr morgens folgt das Fazit der erschöpften aber zufriedenen Veteranen: "Selten habe ich so aufmerksame Zuhörer erlebt. Die Fragen hörten gar nicht mehr auf. Aber ich glaube, das ist der beste Weg, der heutigen Jugend verständlich zu machen, wie es damals wirklich war", ist sich der ehemalige Wehrmachtssoldat sicher.


Inzwischen ist es wieder hell geworden. Der Schein der eigens aufgestellten Grablichter verblasst allmählich unter der aufgehenden Sonne. Doch die tiefen Eindrücke, welche die Jugendlichen hier in Ysselsteyn sammelten, werden sich in die Erinnerung eingraben und sicher nicht vergessen werden.


Engagieren Sie sich für die Entwicklung der Gedenkkultur! Sie helfen den Menschen, sich zu versöhnen!

 
 
Gottesdienst am Hochkreuz.

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