Gedenken gestalten -
Versöhnung fördern

Projekt
Kriegsgräberstätte St. Petersburg – Sologubowka / Russland

1994 suchte der Volksbund Deutsche Kriegsgräber­für­sor­ge e. V. ein geeignetes Gelände für eine Kriegs­gräber­stätte für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges im Raum St. Petersburg. Er erhielt ein etwa fünf Hektar großes Gelände auf kircheneigenem Grund der russisch-or­tho­doxen Gemeinde in der Ortschaft Sologubowka. Unter Be­teiligung von Ange­hörigen und der einheimischen Bevöl­kerung wurde der Friedhof am 9. September 2000 ein­geweiht. Im gleichen Jahr be­schloss der Vorstand des Volksbundes die Restaurierung der angrenzend zur Kriegs­­­gräberstätte stehenden russisch-orthodoxen Kir­che. In ihrem Kellergewölbe wurde ein Gedenkraum eingerichtet. Drei Jahre später, am 20. Sep­tember 2003, weihte der Volksbund den Gedenk­raum ein und übergab das Gotteshaus gleichzeitig der Gemeinde – rechtzeitig zum 300. Stadt­jubi­läum von St. Petersburg.

Die langfristige Sicherung der Kriegsgräberstätte St. Peterburg-Sologu­bow­ka ist Ziel dieses Projekts. Ihre Vision von Völker­verständigung, Ver­söhnung und Frieden können Sie gemeinsam mit uns verwirklichen.

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Sologubowka: Schicksalsschwere Geschichte.

Im Jahr 1511 wurde erstmals eine hölzerne Kirche im heutigen russischen Dorf Sologubowka bei St. Petersburg urkundlich erwähnt. An ihrer Stelle wurde 1851 eine steinerne Kirche errichtet, an deren großem Glocken­turm noch bis 1880 gebaut wurde. In den  Jahren nach 1920 wurde sie ausgeplündert. Alle Ikonen sind in der örtlichen Bäckerei verbrannt worden. Am 4. No­vember 1937 wurde der Pries­ter verhaftet und einige Tage später erschossen. Die Kirche „Mariä Himmelfahrt“ wurde ge­schlossen. Im Zweiten Weltkrieg befand sich die Kirche lange Zeit kurz hinter der Front­linie und diente der russischen Artillerie als Ziel­marke. Da­her trugen deutsche Soldaten den Turm ab und retteten so die Kirche vor der völligen Zer­stö­rung. Vor der Kirche wurde ein Soldaten­friedhof ang­elegt. In un­mit­telbarer Um­gebung des Dor­fes Solo­gu­bowka befanden sich insgesamt vier deutsche Sol­daten­fried­höfe mit über 3 000 Toten.

Heute befindet sich neben der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ die zur Zeit weltweit größte deutsche Kriegs­gräberstätte mit einem weitläufigen Friedens­park. In der Kirche können wie­­der Gottesdienste gefeiert werden und im Keller­ge­wöl­be, einst als Lazarett der letzte Hoff­nungsfunke verwundeter deutscher Soldaten, befindet sich ein einzigartiger Gedenk- und Ausstellungsraum.

Die Kirche „Mariä Himmel­fahrt“ mit Ge­denk­raum: Ort der Ver­söhnung und des Ge­denkens.

Neben der Kriegsgräber­stätte steht die restaurierte Kirche „Mariä Him­melfahrt“. Während des Wieder­aufbaus wurde in ihrem Kel­ler­ge­wölbe ein Ge­denk­­raum für die in Russ­­land gefallenen, vermissten und in Kriegs­­­­­­­ge­fangen­schaft verstorbenen deu­­­t­schen Soldaten eingerichtet. In seinen Neben­räumen werden alle bekannte Namen der deutschen Sol­daten in Namen­­­büchern dokumentiert. Bislang hat dort der Volks­bund fast 1,1 Millionen Namen in 100 Buch­bän­den erfasst. Dies wurde nur durch eine enge Zusam­men­arbeit mit der Deutschen Dienst­stelle (ehem. Wehr­machts­auskunfts­stelle) und dem Suchdienst des Deu­tschen Ro­ten Kreuzes möglich.

Das Gotteshaus dient der Bevölkerung und den Gästen des Friedhofes zum Gebet und zur stillen Einkehr. Die Kirche „Mariä Himmelfahrt” ist leuchtendes Zeichen der Versöhnung zwischen den Menschen in Russland und in Deutschland.

Der Sammelfriedhof: Mahnmal für den Frieden.

Auf fünf Hektar hat der Volksbund für zukünftig 68 000 ge­fallene deutsche Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg eine würdige Ruhestätte geschaffen. Nicht jedes Grab kann mit einem einzelnen Kreuz ausgestattet werden. So stehen regelmäßig verteilt auf der weiten Rasenfläche des Friedhofes einzelne Gruppen mit Steinkreuzen. Am Eingang dokumentieren Steinstelen die Namen der hier bestatteten Soldaten. Zen­trum der Anlage ist das weithin sichtbare Hochkreuz. Die Kriegs­gräber erinnern uns an die Schrecken des Krieges und mahnen uns, alles zu tun, um den Frieden für die Zu­kunft zu wahren.

Der Friedenspark: Symbol für den wachsenden Frieden.

Bei der Einweihung der Kriegs­grä­berstätte wurde mit der Pflanzung von zwei russischen Birken und einer deutschen Eiche der Grund­stein für den Friedens­park gelegt. Für die Bäume im Frie­dens­park vergibt der  Volks­bund Deu­tsche Kriegs­­grä­ber­­für­sor­ge e.V. Baum­­paten­schaf­ten. Der Frie­­dens­park ist Symbol für das Wach­sen des Frie­dens zwischen den Men­schen in Russ­land und Deu­tsch­land.